 |
Im Rahmen unserer Beiträge über
vererbbare Krankheiten beim Basenji berichten wir diesmal über das
Fanconi-Syndrom. Diese Nierenerkrankung wird seit etwa 20 Jahren in den USA
erforscht, mit dem Ziel, die Verursachergene zu isolieren, um einen DNA-Test
entwickeln zu können.
Stand der Forschung
In den Buschtrommeln 2/93, 3/94
und 1/99 wurden bereits Beiträge zu Fanconi veröffentlicht, in denen die
Merkmale der Erkrankung beschrieben wurden, die deshalb nicht mehr näher
erläutert werden sollen. Seit 1993 liegt beim BKD auch die deutsche Übersetzung
des Fanconi-Protokolls von Dr. Steven Gonto vor (die neue Fassung von 1999 ist
in Bearbeitung). Sowohl das Gonto-Protokoll als auch der Beitrag aus der
Buschtrommel 1/99 können auf der BKD-Homepage im Internet abgerufen werden.
Steven Gonto, Professor für
Allgemeinmedizin in den USA, hat diesen Behandlungsplan für Fanconi-erkrankte
Hunde für seinen eigenen Basenji entwickelt und später der Allgemeinheit
zugänglich gemacht.
Bei den Vorbereitungen für
diesen Artikel haben wir mit Dr. Gonto Kontakt aufgenommen, um den aktuellen
Forschungsstand in den USA zu erfragen. Zwei Antworten von Dr. Gonto möchten wir
hier wiedergeben:
„The real news is that there
is NO news. Work goes on. Discoveries could come tomorrow or in fifty years.
There is never a way to tell when research will give a clue.“
„Trust me, when they DO find
the gene marker, it will be FRONT PAGE news in ALL the Basenji literature. AND
... you will HEAR ME jump and shout with JOY since this would mean the END of
this disease in one generation. That would make ME the happiest person on the
planet!!!“
Auch Lisa Corell-Auerbach und
L. Auld haben bestätigt, dass noch keine neuen Erkenntnisse über die Vererbung
von Fanconi vorliegen.
Daher ist es um so wichtiger,
noch einmal auf die Bedeutsamkeit des Tests zur Früherkennung von Fanconi
hinzuweisen, den jeder Basenji-Besitzer bei seinem Tier einfach durchführen kann
und sollte.
Der Fanconi Test
Wie
teste ich, ob mein Basenji Zucker im Urin hat?
Besorgen
Sie sich in der Apotheke Teststreifen für Zuckerpatienten. Diese Teststreifen
zeigen durch eine Farbveränderung des Teststreifens an, ob Zucker im Urin
vorhanden ist. Die Handhabung ist sehr einfach. Entweder Sie halten die
Teststreifen direkt in den Urinstrahl oder Sie fangen den Urin in einer kleinen
Schale auf und dippen den Teststreifen hinein.
Wichtig
ist, dass Sie diesen Test morgens durchführen, da die Konzentration des Urins am
dichtesten ist. Bitte achten Sie darauf, dass Sie mit dem Teststreifen nicht
versehentlich an nasses Gras, Blätter oder schmutzige Äste kommen. Warten Sie
die angegebene Zeit, wie im Beipackzettel beschrieben ab und vergleichen Sie die
Farbe des Teststreifens mit der beiliegenden Farbskala.
Normaler
Urin sollte keine Farbveränderung anzeigen. Sollte jedoch eine Farbveränderung
sichtbar sein, sollten Sie als zweiten Schritt das Blut auf Zucker untersuchen
lassen.
Wichtiger Hinweis:
dieser Test auf Zucker im Urin ist lediglich ein Früherkennungstest.
In Ergänzung der bisher erschienen Artikel wird nun im folgenden auf Basis
des aktuellen Erkenntnisstandes der Vererbungsgang von Fanconi an einem
einfachen Modell beschrieben und die Konsequenzen für die Zucht dargestellt.
Krankheitsursachen
Als Auslöser für Fanconi wird
in der neueren Forschung ausschließlich eine genetische Disposition angenommen.
Dabei vermutet man einen im wesentlichen autosomal rezessiven Erbgang. Hierfür
sprechen mehrere Gründe, so auch die Tatsache, daß die Zahl der erkrankten Hunde
deutlich unter dem theoretisch möglichen Maximalwert von 25% des Bestandes
liegt. Sofern Umwelteinflüsse eine Rolle spielen, die Krankheit also nur unter
bestimmten Bedingungen ausbricht, wäre die Zahl der tatsächlich erkrankten Hunde
ebenfalls niedriger als der theoretisch mögliche Wert, da wahrscheinlich nicht
alle Hunde den krankmachenden Umweltgegebenheiten ausgesetzt sein dürften.
Nimmt man hingegen keinerlei
Vererbung an, sondern nur den Umwelteinfluss als Ursache, so ist keine Aussage
über Häufigkeiten u.ä. möglich, sofern nicht der bzw. die Umweltursache(n)
bekannt ist (sind). Allerdings spricht einiges gegen eine solche Vermutung:
·
Die Krankheit tritt offensichtlich auf
verschiedenen Kontinenten unter unterschiedlichsten klimatischen, geographischen
und zivilisatorischen Verhältnissen auf.
·
Futter / Futtermittel, die als
mögliche Auslöser in Frage kämen, unterliegen jeweils anderen, nationalen
Vorschriften und sind auch in Bezug auf die Inhaltsstoffe nicht identisch,
teilweise nicht einmal annähernd vergleichbar.
·
Gleiches gilt für Reinigungsmittel und
sonstige, im Haushalt verwendete bzw. vorhandene Substanzen, sowie Immissionen
jeder Art, welche zumindest theoretisch zu einer Erkrankung führen könnten.
·
Die Erkrankungen treten offensichtlich
in bestimmten Zuchtlinien häufiger auf als in anderen, was zumindest die
Vererbung einer Disposition für das Fanconi-Syndrom vermuten lässt.
·
Das Fanconi-Syndrom ist im
wesentlichen auf einige wenige Rassen beschränkt. Da aber viele Rassen unter den
gleichen Bedingungen leben, zugleich deren Erbinformationen nur jeweils
geringfügig von denen anderer Rassen abweichen, wäre ein solches
„Selektionsverhalten“ der Krankheit nicht zu erklären – außer eben durch
genetisch bedingte Unterschiede.
Der Vererbungsgang
Um die Fragen zur Ausbreitung
einer Erbkrankheit und zu den Folgen für die Zucht beantworten zu können, ist
(leider) ein wenig Mathematik, genau genommen Wahrscheinlichkeitstheorie, und
Vererbungslehre erforderlich. Was hat nun aber Vererbung mit
Wahrscheinlichkeitstheorie zu tun? Mehr als man denkt, denn viele Aussagen über
Vererbung können tatsächlich nur mit Hilfe der Wahrscheinlichkeitstheorie
gemacht werden. Vererbung erfolgt „zufällig“, d.h., man kann das Ergebnis nicht
im Vorhinein berechnen/ bestimmen. Eben hierdurch ist die „Individualität“
sichergestellt, durch Vererbung entstehen i.d.R. keine zwei identischen
Lebewesen. (Auch bei eineiigen Zwillingen gibt es geringfügige Unterschiede,
etwa die Entwicklung der Gehirnstrukturen u.a.)
Wie bereits erwähnt, kennt man
den genauen Vererbungsgang von Fanconi (noch) nicht. Ohne Einschränkung der
Allgemeinheit dürfen wir jedoch eine autosomal rezessive Vererbung annehmen.
Diese Annahme stellt insofern keine Einschränkung dar, als
·
im Falle einer komplexeren Vererbung
die Zahl der erkrankenden Hunde kleiner oder höchsten gleich hoch sein kann, da
weniger Hunde eine entsprechende Übereinstimmung ausbilden können,
·
im Falle der Vererbung einer
Disposition ebenfalls weniger Tiere erkranken, als bei einer rein autosomal
rezessiven Vererbung, denn zusätzlich muss noch der (äußere, nicht genetisch
bedingte) Auslöser auftreten,
·
eine dominante Vererbung
ausgeschlossen werden kann,
·
eine geschlechtsspezifische Vererbung
ebenfalls ausgeschlossen werden kann (sowohl bei Rüden als auch bei Hündinnen
wurde Fanconi definitiv diagnostiziert).
Zur weiteren Vereinfachung des
Modells nehmen wir ferner an, dass es genau eine Erbinformation ist die
paarweise vorhanden sein muss, um die Krankheit oder Eigenschaft tatsächlich
auftreten zu lassen (vgl. Tabelle im Artikel „Grundlagen der Vererbung“ von Frau
Dr. Rauth-Widmann). Dann gibt die nachfolgende Übersicht noch einmal die
möglichen Kombinationen und ihre Häufigkeit an. Es bedeutet
JJ = Tier mit der Krankheit
JN = Träger der Krankheit (ohne
Ausbruch)
NN = Frei von der Krankheit
|
Nr. |
Elterntier 1 |
Elterntier 2 |
Bemerkung |
Anteil Nachwuchs NN [%]
|
Anteil Nachwuchs JN [%]
|
Anteil Nachwuchs JJ [%]
|
|
1 |
NN |
NN |
|
100 |
0 |
0 |
|
2 |
NN |
JN |
|
50 |
50 |
0 |
|
3 |
NN |
JJ |
|
0 |
100 |
0 |
|
4 |
JN |
NN |
Wie Nr. 2 |
50 |
50 |
0 |
|
5 |
JN |
JN |
|
25 |
50 |
25 |
|
6 |
JN |
JJ |
|
0 |
50 |
50 |
|
7 |
JJ |
NN |
Wie Nr. 3 |
0 |
100 |
0 |
|
8 |
JJ |
JN |
Wie Nr. 6 |
0 |
50 |
50 |
|
9 |
JJ |
JJ |
|
0 |
0 |
100 |
Tabelle 1: Statistische Verteilung der möglichen Genkombinationen
Es gibt genau 9 mögliche
Kombinationen. Da diese Kombinationen selbst aber wiederum jeweils nur aus den
beiden Elementen „N“ und „J“ paarweise zusammengesetzt werden, erhält man
demnach als „Ergebnis“ nur 4 Paare, nämlich NN, NJ, JN und JJ. Da NJ und JN als
gleich betrachtet werden können, werden somit wiederum die drei Typen (krank,
Träger ohne Erkrankung, Fehlen der Veranlagung) vererbt.
Was aber bedeutet das alles für
die konkrete Zucht? Nehmen wir als Beispiel die Nr. 5:
Danach sind 25% ohne, 50%
Träger und 25% mit der Krankheit ausgestattet. Nehmen wir also einen Wurf der
entsprechend disponierten Elterntiere mit, sagen wir der Einfachheit halber,
vier Welpen. Dann würde also gefolgert werden müssen, daß ein Welpe erkrankt,
ein Welpe gesund, und zwei Welpen Träger sind. Leider ist diese Folgerung so
nahe liegend wie falsch! Warum? Weil die Werte nur einen statistischen
Mittelwert beschreiben.
Tatsächlich können in einem
solchen Wurf alle Welpen erkrankt sein, ebenso wahrscheinlich kein Welpe auch
nur Träger sein oder alle Träger sein, ohne zu erkranken. Die tatsächlich bei
der Verschmelzung der Samen- und der Eizelle entstehende Kombination „weiß“ ja
nichts über die Kombination der anderen Samen- und Eizellen. Lediglich die
Wahrscheinlichkeit für jede einzelne Kombination entspricht der in der Tabelle
angegebenen Größe.
Anders liegt der Fall bei Nr.
1, 3, 7 und 9. Hier gibt es stets eindeutige Ergebnisse, da alle Ei- und
Samenzellen nur eine, nämlich jeweils dieselbe Information tragen und somit
keine zufällige Kombination möglich ist. Das wiederum bedeutet, dass die
angegebenen Fälle (NN, JN bzw. JJ) auf jeden Welpen des angenommenen Wurfes
zutreffen. Umgekehrt sind bestimmte Fälle nicht möglich, da die hierzu
erforderlichen Gene nicht vorhanden sind. Dieses trifft auf alle Kombinationen
zu, in denen in der Tabelle 1 eine „0“ steht. So können z.B. aus der Kombination
NN – JN keine erkrankten Tiere entstehen, obwohl ein Elternteil Träger ist.
Aufgrund fehlender Anzeichen
kann vor Ausbruch der Krankheit nicht festgestellt werden, ob ein Tier erkranken
wird, ob es Träger ist oder frei von der Erbkrankheit. Dieses wäre nur durch
gentechnische Untersuchungen möglich, was aber voraussetzt, dass man die
verantwortlichen Gene identifiziert hat.
Kennt man diese nicht, ist es
schwierig, Aussagen allein auf Basis der Kenntnis von erkrankten oder nicht
erkrankten Hunden zu machen. Das würde teilweise vergleichbar sein mit einer
Aussage über die nächsten Lottozahlen allein auf Basis der in den letzten drei
Wochen gezogenen Zahlen. Tatsächlich ist bei jedem Lotto-Spiel die
Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Kombination gleich groß, egal ob diese
bereits zehnmal gezogen wurde, erst in der letzten Woche „dran“ war oder noch
nie vorgekommen ist – natürlich immer vorausgesetzt, das Ziehungsgerät arbeitet
korrekt. Denn tatsächlich weiß die aktuelle Ziehung nichts über die
vorausgegangenen Ziehungen, kann also auch nicht irgendwelche Kombinationen
bevorzugen oder meiden. Jede der über 14 Millionen Kombinationen (6 aus 49) ist
gleichwahrscheinlich. Wenn man hinreichend viele Ziehungen vornähme, kann man
aber dennoch davon ausgehen, dass jede Kombination etwa gleich häufig gezogen
würde. Allerdings müsste man dann mehrere Milliarden Ziehungen vornehmen, um
eine statistisch verlässliche Aussage machen zu können. Analoges gilt für die
Vererbung von Fanconi bei den Basenjis.
Daher muss als erstes der
Vererbungsmechanismus und die Position(en) der verantwortlichen Gene gefunden
werden, um klare Aussagen zur Vererbung der Krankheit machen zu können.
Ein weiterer Fehler, der in
Unkenntnis der statistischen und insbesondere genetischen Zusammenhänge gemacht
wird, betrifft Überlegungen, bei der Zucht nur Tiere zu verwenden, bei denen in
x-Generationen die Krankheit nicht aufgetreten ist, in der Annahme, es handle
sich dann um Fanconi-freie Hunde. Tatsächlich können alle Tiere Träger sein.
Wenn aber auch nur ein Tier Träger ist, muss es das Gen bereits von einem
Elternteil übernommen haben. Gleiches gilt dann für dieses Elterntier, welches
seinerseits das Gen von einem Elternteil mitbekommen hat, usw. usw. Folgerung:
Wenn es in einer Generation auch nur einen Träger gibt, hat es in jeder
vorausgegangenen Generation mindestens ebenfalls einen Träger gegeben, bis zu
dem Punkt, wo etwa durch eine Mutation oder ein „crossing-over“ diese
Eigenschaft zum ersten Mal auftrat. Tatsächlich können sogar mehrere Vorfahren
Träger gewesen sein, ohne dass es zu einer Erkrankung hätte kommen müssen, wie
der Tabelle zu entnehmen ist.
Wie hoch ist nun die
Wahrscheinlichkeit, daß im Laufe der Zeit alle Tiere der Rasse erkranken werden?
Unter der völlig unrealistischen Annahme, zukünftig würde ausschließlich mit
erkrankten Hunden weitergezüchtet, wäre diese tatsächlich gleich 100% (Nr. 9 in
Tabelle 1). In allen anderen Fällen kämen neben den erkrankten Tieren auch
Träger der Krankheit heraus, die in Kombination sogar ganz gesunde Nachkommen
haben können, die ihrerseits keine kranken Nachkommen haben werden (Nr.1. - 4.
und Nr.7 aus Tabelle 1). Hierin ist ein entscheidender Unterschied etwa zu
Infektionskrankheiten zu sehen, die einem völlig anderen Mechanismus
unterliegen.
Um den Mechanismus für die
Vererbung besser verstehen zu können, wollen wir für unser Modell den
(statistischen) Erbgang für eine Generationen beispielhaft „durchrechnen“. Wir
nehmen zunächst folgende Verteilung der Gene in der Population an:
25% NN - 50% JN - 25% JJ
Dieses entspräche der
Verteilung bei den Nachkommen, wie in der Tabelle 1 (s.o.) dargestellt. Dabei
würde man davon ausgehen, dass ein Drittel der Elterntiere von Typ „NN“, ein
Drittel vom Typ „JN“ und ein Drittel vom Typ „JJ“ wären. Ferner nehmen wir an,
dass sich die Tiere statistisch gleichverteilt paaren. Dann erhält man die
angenommene Verteilung (25 – 50 – 25) in der zweiten Generation. Dieses lässt
sich sofort aus Tabelle 1 ablesen. Was passiert aber nun in der nächsten
Generation: Das ist etwas komplizierter, lässt sich aber immer noch relativ
einfach darstellen. Es sind folgende Verpaarungen mit den jeweils angegebenen
Prozentsätzen möglich:
|
|
NN |
JN |
JJ |
|
NN |
6,25 |
25 |
12,5 |
|
JN |
|
25 |
25 |
|
JJ |
|
|
6,25 |
Tabelle
2: Prozentuale Verteilung der möglichen Verpaarungen bei einer Startverteilung
von 25% – 50% – 25% bei den Elterntieren
Aus diesen Verpaarungen
errechnet man nun die Verteilung gemäß Tabelle 1:
|
|
Verpaarung |
|
|
|
|
Summe |
|
Nachkommen |
NN-NN |
NN-JN |
NN-JJ |
JN-JN |
|
JN-JJ |
|
|
NN |
6,25 |
12,5 |
0 |
6,25 |
|
0 |
25 |
|
JN |
0 |
12,5 |
12,5 |
12,5 |
|
12,5 |
50 |
|
JJ |
0 |
0 |
0 |
6,25 |
|
12,5 |
25 |
Tabelle
3: Prozentuale Verteilung der Erbanlagen der Nachkommen aus den Verpaarungen
nach Tabelle 2
Somit erhält man die Verteilung
NN: 25%, JN 50%, JJ 25% für die nächste Generation. Das entspricht genau der
Startverteilung. Das heißt aber: jede weitere Generation muss im Mittel wieder
dieselbe Verteilung haben, da sie sich wiederum aus der angenommenen
Startverteilung von 25% NN, 50% JN und 25% JJ zusammensetzt. Und die Berechnung
hat gezeigt, dass dann genau diese Verteilung resultiert. Man kann also
feststellen:
Sofern eine statistisch
gleichverteilte Paarung erfolgt, stabilisiert sich die Erkrankungsrate innerhalb
einer Generation für alle weiteren Generationen bei 25% der Population, 75%
erkranken nicht. Das ist der wesentliche Grund dafür, dass Erbkrankheiten nicht
binnen weniger Generationen den gesamten Bestand durchsetzen können.
Im Falle von Fanconi muss
man allerdings feststellen, dass die beobachtete Erkrankungsrate seit vielen
Jahren deutlich unter der 25%-Marke liegt (um 15%). Dieses kann mehrere Gründe
haben.
Zum einen ist der
Vererbungsgang wahrscheinlich nicht so einfach, wie im Modell angenommen. Wie
bereits gezeigt, reduziert sich dadurch in der Regel die Zahl der erkrankten
Tiere. Denkbar ist dabei, dass es sich um eine polygenetische Vererbung handelt,
die ggf. sogar noch an weitere Eigenschaften gekoppelt ist. Ein anderer Grund
mag darin liegen, dass Fanconi-Hunde bei Nichtbehandlung früher sterben als
andere Tiere und damit die Zahl der möglichen Nachkommen geringer ausfällt als
bei nichterkrankten Hunden. Diese natürliche Selektion ist übrigens ein weiteres
Mittel der Natur, um (lebensbedrohliche) Erbkrankheiten zu reduzieren.
Konsequenzen für
die Zucht
Welche Folgerungen lassen
sich aus diesen Überlegungen nun für die Zucht ziehen?
·
Wenn die Zucht statistisch
gleichverteilt weitergeführt wird, folgt, dass der Anteil an Fanconi-erkrankten
Hunden stabil bleibt. Nur wenn vermehrt mit an Fanconi erkrankten Hunden
gezüchtet würde, stiege der Anteil entsprechend an. Daher werden diese Tiere von
der Zucht ausgeschlossen (BKD-Zuchtordnung, §4). Diese Maßnahme könnte dann zu
einer gewissen Reduzierung der Fanconi-Erkrankungen beitragen.
·
Das Fanconi-Syndrom ist weit besser
therapierbar als die meisten anderen Erberkrankungen. Jeder Basenji-Besitzer
sollte daher eine regelmäßige Urinkontrolle bei seinem Tier durchführen, um die
Chance der Früherkennung wahrzunehmen. Dies ermöglicht zum einen eine optimale
Behandlung der erkrankten Tiere, zum anderen können erkrankte Hunde
frühest möglich aus der Zucht genommen werden.
·
Rückschlüsse auf Basis eines
„Nichtauftretens“ von Fanconi-Fällen in mehreren aufeinander
folgenden
Generationen sind, wie oben gezeigt, nicht aussagekräftig, so daß hieraus keine
Empfehlungen für die Zucht abgeleitet werden können.
·
Es ist wirklichkeitsfremd um jeden
Preis die Zucht der Tilgung dieser oder einer anderen Erbkrankheit zu opfern,
denn alle Lebewesen, ob Mensch oder Tier tragen Anlagen zu erblichen
Erkrankungen in sich. Wollte man dieses dennoch tun, müßte man das Leben an sich
verbieten, um nicht mit solchen Krankheiten konfrontiert zu werden.. Somit gibt
es ein allgemeines Lebensrisiko, mit dem wir alle behaftet sind, Mensch wie
Tier. Und daher kann es nur um die verantwortungsvolle Abwägung dieser
unausweichlichen Risiken und ihrer weitest möglichen Einschränkung gehen, ohne
das genetische Potential und damit auch die genetische Vielfalt einer Rasse
aufzugeben.
Eine dramatische Zunahme von Fanconi-Fällen ist
nicht zu erwarten, wohl aber eine frühere und bessere Diagnose aufgrund des
heutigen Kenntnisstandes. Schon aus den statistischen Überlegungen heraus muss
man davon ausgehen, dass insbesondere in der Vergangenheit viele Fälle von
Fanconi nicht erkannt worden sind und somit der Eindruck entsteht, die Zahl der
Fälle nehme deutlich zu. Außerdem führt eine zunehmende Anzahl von Tieren auch
zu einer höheren absoluten Zahl an Erkrankungen, der tatsächliche Prozentsatz
kann sogar sinken.
Angenommen, die
Kombination „JJ“ eines Allelpaares sei der Auslöser für die Krankheit,
das Allel trete entweder als „N“ oder als „J“ auf, dann gibt es genau 22
= 4 Kombinationen (NN, NJ, JN, JJ), von denen eine die wirksame ist,
dann liegt die statistische Wahrscheinlichkeit zu erkranken bei 1 : 4.
Nimmt man jedoch an, daß nur das gleichzeitige Vorhandensein zweier
Allelpaare („JJ“ und „jj“) für die Krankheit verantwortlich ist, dann
ergibt sich bei ansonsten gleichen Voraussetzungen bereits eine Zahl von
24 = 16 Kombinationen (NNnn, NNnj, NNjn NNjj, NJnn, NJnj,
NJjn NJjj, JNnn, JNnj, JNjn JNjj, JJnn, JJnj, JJjn NJJjj), von denen
wiederum nur genau eine wirksam ist, d.h., die statistische
Wahrscheinlichkeit, zu erkranken liegt im zweiten Fall nur noch bei
1:16!
Am einfachsten lassen
sich die Ergebnisse nachvollziehen, wenn man das Ganze am konkreten
Beispiel durchrechnet. Zur Vereinfachung der Berechnung versuche man es
z.B. mit folgenden Werten: 8 Tiere NN, 16 Tiere JN, 8 Tiere JJ, jeweils
50% Hündinnen und Rüden.
|
zurück |
An den Seitenanfang
 |
|
 |